Inhalt - Sturzflüge mit FreeCom

Sturzflüge mit FreeCom

Der Schweizer Kunstflieger und 1. Offizier der Fluggesellschaft Swiss Michael Sigrist beschreibt sein Leben als Pilot und wie sein FreeCom Headset die Kommunikation bei Loopings und Flugrollen revolutioniert hat.

Q: Erzählen Sie uns etwas über den Flugplatz Birrfeld, auf dem wir uns heute befinden.

Einige der hier stationierten Flugzeuge gehören Fliegerclubs, wie der Birrfeld Flugschule, andere privaten Vereinen. Zudem gibt es Segelflieger- und Kunstfliegerclubs, wobei die kleineren, deren Mitglieder einen Jahresbeitrag bezahlen, nur ein oder zwei Flugzeuge besitzen. In Birrfeld werden aber auch Flugstunden und Flugkurse angeboten.

Q: Wie sind Sie zur Fliegerei gekommen?

Ich habe bereits mit 16 Jahren kleine Flugzeuge fürs Militär geflogen. Die Armee finanzierte meine Ausbildung, obwohl ich diese bei einer privaten Gesellschaft und nicht auf einem Militärflugplatz absolvierte. Ich begann mit Segelflugzeugen, durfte dann kleine Motorflugzeuge fliegen und arbeitete zusätzlich als Techniker bei den Flugzeugwerken Pilatus. Als sich die Teilnehmerzahl auf 20 Piloten reduziert hatte, verließ ich die Militärpilotenausbildung. Um ehrlich zu sein, war ich nicht mehr motiviert genug, denn ein Militärpilot sitzt gerade einmal 100 Stunden pro Jahr im Cockpit. Das ist nicht gerade viel, besonders wenn jemand so gerne fliegt wie ich.

Im Alter von 24 Jahren bekam ich die Chance, bei der Fluggesellschaft Swiss als Linienpilot anzufangen. Verglichen mit den vom Militär angebotenen 100 Flugstunden fliege ich in meinem Beruf als PIC (Pilot in Command) einer Antonov 2 bei Swiss 15 Stunden pro Woche. Zudem bin ich auch als Kunstflieger aktiv. In der Schweiz dürfen Piloten einer privaten Fluggesellschaft nicht mehr als 900 Stunden pro Jahr am Steuer eines Flugzeugs sitzen; das wurde per Gesetz so geregelt.

Q: Wann haben Sie mit der Kunstfliegerei angefangen?

2009, also vor rund zwei Jahren. Kunstfliegen war schon immer mein Traum. Die dafür verwendeten Flugmaschinen unterscheiden sich übrigens kaum von Militärflugzeugen, sie sind extrem schnell und wendig.

Vor zwei Jahren habe ich also mit dem Kunstflugtraining angefangen. Natürlich werden dazu spezielle Flieger verwendet. Trainiert wird auf einem Zweiplätzer. Die meisten Trainingsstunden habe ich hier in Birrfeld absolviert, ich war aber auch eine Zeit lang in den Vereinigten Staaten, in Vero Beach Florida, wo es etwas günstiger ist. Schließlich war ich soweit und konnte allein fliegen.

Q: Welche Maschinen verwenden Sie für die Kunstfliegerei?

Flieger, die in der Schweiz von Max Vogelsang unter dem Markennamen MSW gebaut werden. Max entwickelt, zeichnet und testet die Flugzeuge selbst. Wenn ich Passagiere mitnehme, fliege ich den Zweisitzer MSW Votec 322; Die Zahl steht für 320 Pferdestärken und 2 Sitze.

Dieser Flugzeugtyp unterscheidet sich vom Standard Flat Aircraft, bei dem das Bugfahrwerk vor und das Hauptfahrwerk hinter dem Schwerpunkt platziert sind, durch ein kleines Rad hinter und ein Hauptfahrwerk vor dem Schwerpunkt. Dadurch zeigt die Nase der Votec beim Landen, Rollen und Starten nach oben. Der Pilot eines solchen „Spornradflugzeug benötigt viel Können und Erfahrung, weil die Maschine auch in der Luft nicht gerade liegt, sondern hinten etwas abhängt.

Q: Starten Sie meistens in Birrfeld oder auch anderswo?

Wir starten normalerweise hier und versuchen dann einen freien Luftraum zu finden. Manchmal treffen wir uns aber auch mit Freunden auf anderen nahegelegenen Flugplätzen. In der Schweiz gibt es wie in Amerika eine Menge kleiner Flugfelder, die man gerne ansteuert. Mit dem Flugzeug dauert es meist nicht länger als 10 oder 15 Minuten bis zum nächsten Landeplatz, wo bereits die Freunde warten. Manchmal unternehmen wir auch gemeinsame Formationsflüge.

Q: Nehmen Sie auch an Flugshows teil?

Ja, MSW Aviation nimmt tatsächlich daran teil. Dieses Jahr findet hier in Birrfeld das Pistenfest, auch «Runway Party» genannt, statt. Dabei handelt es sich um eine der größten Flugshows der Schweiz. Im vergangenen Jahr waren wir bei der Sion Air Show im Wallis. Es gibt eine Menge solcher speziell für Kunstflieger organisierter Anlässe und zwar nicht nur hier, sondern auch in Deutschland. Gewöhnlich werden dort Einzeldarbietungen gezeigt, bei denen MSW-Gründer Max Vogelsang oder sein Sohn die in den Maschinen eingebauten Rauchanlagen verwenden und die Darbietung mit Musik untermalen. Ich selbst trainiere gerade für die nächste Kunstflug-Schweizermeisterschaft.

Q: Wie unterscheidet sich das Kunstfliegen mit kleinen Flugzeugen von Ihrer Arbeit als Linienpilot?

Als Linienpilot besteht Ihre Aufgabe darin, von Punkt A nach Punkt B zu fliegen. Es gibt den Autopiloten, eine Menge vorgeschriebene Abläufe und Kaffeepausen. Es ist also meistens nicht sonderlich aufregend. Am Interessantesten sind die Starts und die Landungen. Mir machen vor allem die Landungen Spaß, denn sie erfordern größte Aufmerksamkeit. Man ist völlig konzentriert und hat nur das Ziel, den Flieger heil auf der Landebahn aufzusetzen.

Kunstfliegen ist hingegen ein Abenteuer. Die Figuren, bei denen bei denen man gegen die Gravitation ankämpfen muss, wie Loopings, Schrauben und Sturzflüge, stellen hohe körperliche Ansprüche. Beim Looping lastet ein enormer Druck auf dem Körper; während 4 Sekunden ist man sechs, sieben oder gar acht Gs ausgesetzt. Das ist der schwierigste Teil. Bei Rollen und anderen kleinen Figuren steht man nur eine Sekunde unter sehr hohem Druck und das spürt man kaum.

Q: Wie viele technische Hilfsmittel kommen beim Kunstfliegen zum Einsatz?

Die Flugzeuge gleichen einem Formel-1-Rennwagen. Das Kohlefaser-Cockpit ist nur mit den wichtigsten Instrumenten ausgestattet. Ein Autopilot fehlt zum Beispiel. Die ganze Maschine ist so konzipiert, dass sie möglichst wenig wiegt. Hier liegt auch der große Vorteil dieser Maschinen. Zudem braucht es keinen künstlichen Horizont, weil der Pilot ununterbrochen hinausschaut. Linienflugzeuge werden nach IFR (Instrumentenflugregeln) geflogen und damit richtet sich der Pilot hauptsächlich nach den Instrumenten. Sein Blick ist also zu 90 Prozent auf die Anzeigen im Cockpit gerichtet. Nur die restlichen 10 Prozent, das heißt zum Starten und Landen, blickt er aus dem Fenster. Das ist eigentlich der Hauptunterschied zwischen den beiden Flugarten.

Q: Kommen wir zu den im Cockpit des kleinen Flugzeugs geführten Gesprächen: Mit wem unterhalten Sie sich und welche Ausrüstung benützen Sie dazu?

Während eines Linienflugs werden die meisten Gespräche oder zumindest die Hälfte davon mit dem Fluglotsen im Tower geführt. Die restliche Zeit spricht der Pilot über das interne Intercom mit seinem Kollegen im Cockpit. Bei einem Solo-Kunstflug spricht man nur beim Start und bei der Landung sowie beim Durchqueren bestimmter Lufträume und das ausschließlich mit dem Tower.

In einem Zweisitzer, wie ich ihn für Passagierflüge verwende, informiere ich meinen Begleiter per Intercom über bevorstehende Figuren. Ich sage beispielsweise: „Als nächstes fliege ich einen Looping, entspannen Sie sich einfach.“ Diese Gespräche sind sehr wichtig, denn meistens sind die Gäste noch nie in einem solchen Flugzeug geflogen und müssen im Voraus auf kommende Flugmanöver vorbereitet werden.

Q: Was erwarten Sie von einem Piloten-Headset?

Strapazierfähigkeit und eine lange Lebensdauer sind sehr wichtige Eigenschaften. Das Kunstfliegen erfordert, dass das Headset dort bleibt, wo es hingehört. Bei einigen Modellen ist das nicht immer der Fall. Wenn man während eines Loopings kopfüber in den Gurten hängt, muss der Luftraum trotz allem kontrolliert werden und dazu muss man nach oben schauen. In solchen Momenten rutschen manche Headsets von den Ohren auf den Hinterkopf. Früher, als ich diese Ohr-zu-Ohr-Gehörschutzkapseln trug, steuerte ich mit meiner rechten Hand, während ich mit der Linken das Headset festhielt. Mit dem Phonak FreeCom 7000 muss ich überhaupt nicht mehr an mein Headset denken.

Strapazierfähigkeit ist auf Linienflügen auch sehr wichtig, den Funkheadsets werden gewöhnlich von mehreren Piloten verwendet. Sie bleiben im Flugzeug und so geschieht das, was mit den meisten Gegenständen passiert, die jedermann zugänglich sind: Sie werden nicht so rücksichtsvoll gehandhabt wie persönliche Dinge.

Q: Sind bei traditionellen Headsets noch andere Probleme aufgetreten?

Ja. Auf langen Flügen oder nach mehreren kurzen Flügen an einem Tag taten mir durch den Druck der Ohrkapseln die Ohren weh.

Q: Als Sie das Phonak FreeCom Headset zum ersten Mal getragen haben, was ist Ihnen da aufgefallen?

Das erste Mal habe ich das FreeCom beim Kunstfliegen getragen und dabei habe ich die Großen Vorteile der individuell angepassten Im-Ohr-Schalen entdeckt. Für diese Art des Fliegens sind sie einfach perfekt, denn sie sind leicht, bequem und bewegen sich nicht von der Stelle. Etwas Besseres gibt es nicht.

Q: Und wie ist es mit dem Lärm? Wie gut schützt FreeCom vor lautem Fluglärm?

Die Im-Ohr-Schalen passen einwandfrei, so dass das Motorengeräusch im Hintergrund nur noch reduziert zu hören ist. Das System scheint mit einem sehr guten Geräuschfilter ausgestattet zu sein, der während der Funkkommunikation mit dem Tower für eine ausgezeichnete Gesprächsqualität sorgt. Ich höre sehr gut. Was die Funkübertragung anbelangt, haben mir sowohl meine Passagiere als auch meine Cockpitkollegen mitgeteilt, dass sie mich mit den FreeCom viel besser verstehen, als wenn ich ein Standard-Headset trage. Die Wahl des Headsets ist demnach nicht nur für mich, sondern auch für andere ein Vorteil.

Q: Das FreeCom System beinhaltet individuell angepasste Im-Ohr-Schalen. Wie verlief das Abnehmen der Abdrücke?

Die Abdrücke waren schnell gemacht. Ein Vertreter von Phonak kam vorbei und benötigte für das Abnehmen der Abdrücke rund fünf Minuten. Dazu spritzte er eine Schaummasse in den äußeren Gehörgang, der sich zu einem Abdruck verfestigte. Die Ohrschalen, die ich anschließend von Phonak erhalten habe, sollten 10 Jahre überdauern und ich kann zudem zwischen verschiedenen FreeCom Systemen wechseln.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, unsere Fragen zu beantworten.

Gern geschehen!

-------------------------------------------------------------------------------------------
Um einen Kunstflug mit Michael zu buchen klicken sie hier.
-------------------------------------------------------------------------------------------

„Das Kunstfliegen erfordert, dass das Headset dort bleibt, wo es hingehört. Bei einigen Modellen ist das nicht immer der Fall“, so Michael Sigrist.